Kältester See Mitteleuropas

 

 

   Inzeller Seentour Koordinaten

 

 

Die landschaftlich überaus reizvolle Inzeller Seentour führt in eine Gegend, die aus geologischer Sicht von Wettersteinkalk, Flysch (Gesteinsabfolge von Sandstein, Mergel und Tonstein) und von der letzten Eiszeit geformt ist. Wer vom Süden auf der B305 nach Inzell fährt, kann einen Halt am Parkplatz Gletschergarten machen und sich den beeindruckenden Gletscherschliff ansehen, der von den Erosionskräften gewaltiger Eismassen zeugt. Weniger offensichtlich ist, dass auch die Seen entlang der Tour und die wunderbaren Moorflecken rund um Inzell und am Frillensee Relikte der Eiszeit sind.

Die Tour beginnt im Weittal zwischen Gruberhörndl und Falkenstein. Das Trogtal mit U-förmigen Profil war von einer Eiszunge bedeckt, die 250 Meter mächtig gewesen sein könnte. Sie hinterließ Geröll und riesige Eisblöcke, die erst im Lauf der Zeit abschmolzen und Toteislöcher hinterließen, die im Falkensee gut zu erkennen sind und aus denen Grundwasser aufsteigt.

 
Falkensee

Toteislöcher im Falkensee mit Grundwasserquellen  (https://www.gamssteig.de/lexikon/toteisloch)

Auch am Talgrund treten zahlreiche Quellen aus, von denen die sagenumwobenen Weissbachquelle (47.740167, 12.762083) am Eingang des Weittals die bekannteste ist. Der Weißbach bildet unterhalb des Gletschergartens einen Wasserfall und fließt nach Süden zur Saalach ab. Die anderen Quellen verbergen sich südlich des Falkensees im Latschenhochmoor des Weittals. Nachdem ihr Wasser den See durchflossen hat, bildet es den Falkenseebach, der nach Norden zur Roten Traun entwässert. Mit seiner großartigen Kulisse, seinem glasklaren Wasser und intakten Moor ist das Weittal ein Juwel. Da der von Quellen gespeiste See auch im Winter nicht vollständig zufriert, haben sich auch zahlreiche Vogelarten hier angesiedelt.

Dem Falkenseebach folgend gelangt man an einen Abzweig zum Krottensee, der aus Gründen des Naturschutzes nicht zugänglich und nur aus einiger Entfernung zu sehen ist. Wegen der schönen Feuchtwiesen, die den See umrahmen, lohnt sich der kurze Abstecher aber trotzdem. Im Frühjahr sind auf der Tour auch zwei wunderbare Orchideenwiesen zu bewundern. Eine liegt bei Paulöd, die andere an auf den Feuchtwiesen an der Gaßlam südlich des Frillensees.

Der 920 Meter hoch gelegene Frillensee gilt als der kälteste See in Mitteleuropa. Auch er ist durch das Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit entstanden und war ursprünglich 800 Meter lang. Heute ist er durch Verlandung wesentlich kürzer und sein südliches Ufer geht in ein Hochmoor und Feuchtwiesen über, die vom stark mäandernden Frillenseebach durchflossen werden und auf denen ab Mai Orchideen blühen. Mit etwas Glück bekommt man hier im Frillenseebach auch den selten gewordenen europäischen Edelkrebs zu sehen.

Der See hat mitunter schon im November eine tragfähige Eisdecke und Januar 1960 wurde auf ihm die Bayerische und Deutsche Meisterschaft im Eisschnelllauf ausgetragen. Da der Frillensee wesentlich von Quellen an seinem südlichen und westlichen Ufer gespeist wird, friert er nicht wie üblich vom Rand her, sondern von der Mitte aus zu. Wer sich zu Fuß ein Stück weit in wegloses, aber flaches Gelände südlich des Sees vorwagt, kann das versteckte, besonders hübsche Goldene Brünndl (47.764217, 12.821283) bewundern. Die typische Karstquelle entspringt in einem Trockenbach, in dem ihr Wasser auch bald wieder unter die Erde versickert, um dann als Quelle am Grund des Sees (47.765000, 12.818222) wieder aufzutauchen, wo man es vom Weg um den See gut sehen kann.

Der Weg führt auch am Forsthaus Adlgass vorbei, eine Einöde, die schon vor 700 Jahren urkundlich erwähnt ist und eine reiche Geschichte aufzuweisen hat. Heute beherbergt es ein beliebtes Wirtshaus mit Biergarten.

Die 22 Kilometer lange Radtour (komoot) weist nur in kleinen Abschnitten Steigungen über 10% auf. Möglich ist, dass zwischen Adlgass und Frillensee Abschnitte für Räder gesperrt sind, sodass man auf andere Varianten ausweichen muss. Möchte man alle Punkte einschließlich der Weißbachquelle und des Goldenen Brünndl sehen und das gegenüberliegende Ufer des Falkensees kennenlernen, muss man jeweils ein Stück weit zu Fuß gehen. Unsere Quellenkarte ist ein guter Begleiter auf der Suche nach den Quellen abseits des Weges.