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Wasserspiele Hellbrunn

 

Wasserspiele Hellbrunn Koordinaten

 

In der Gartenkunst vergangener Jahrhunderte (Gastartikel) war Wasser von herausragender Bedeutung. Während der Islam Wasser nicht nur als Gestaltungselement nutzte, sondern es effizient und sparsam zur Kühlung einsetzte, prahlte die Gartenkunst der italienischen Renaissance mit Überfluss. In Hellbrunn hat Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems ab 1613 eine Anlage mit Wasserspielen und Scherzbrunnen bauen lassen, mit denen er seine Gäste zum Staunen bringen und belustigen wollte. Und vermutlich wollte er die Villa d´Este in Tivoli übertrumpfen, deren „Teatro delle acque“ bei der Gestaltung und technischen Realisierung von Hellbrunn Pate stand. Tatsächlich zeigte sich Ferdinand II. Medici bei einem Besuch 1628 beeindruckt von den Automaten, die in der Renaissance als „göttliche“ Kunst galten. Immerhin hatte auch das „gemeine Volk“ Zugang zu den Wasserspielen, die nicht zuletzt Ausdruck der Macht ihres Landesherrn waren.

Bei der Gestaltung der Brunnen spielte die griechische und römische Mythologie die Hauptrolle: Man trifft auf Eurydike, Neptun, den Jäger Aktaion und die Jagdgöttin Diana – ganz wie es dem manieristischen Zeitgeist entsprach. Der größte Brunnen befindet sich direkt vor der Rückseite des Lustschlosses: der Brunnen Altemps mit seinen prachtvollen Mosaiken und dem Sternweiher. Er ist zugleich die stärkste der Quellen, von denen die Wasserspiele ihr Wasser beziehen und Ursprung des Hellbrunner Bachs.

Auch die fürsterzbischöflichen Nachfolger fanden Gefallen an den Wasserspeilen und entwickelten sie weiter. Das jüngste Element der wassermechanischen Kostbarkeiten ist das mechanische Theater, das unter Erzbischof Andreas Jakob Graf Dietrichstein von 1748 bis 1752 gebaut wurde. Ursprünglich sollte eine figurenreiche von Wasser bewegte Schmiede erneuert werden, die 1741 stillstand. Der Bergarbeiter Lorenz Rosenegger von Dürrnberg gestaltete die Grotte neu, wobei aus einer Schmiede dann das bis heute erhaltene großen Automatentheater mit Orgelwerk und turmartigem Palast wurde, das mit insgesamt 142 beweglichen und 21 unbeweglichen Figürchen das höfische Leben des 18. Jahrhunderts darstellt.

All die Springbrunnen, versteckten Wasserspritzen, mechanischen Theater und anderen Automaten wurden mittels eines ausgeklügelten hydraulischen Systems mit zehn Meter Höhenunterschied und Ausgleichsbehältern durch reine Wasserkraft betrieben. Die Attraktionen liegen entlang des Hellbrunner Bachs, teils im Freien, teils in künstlichen Grotten im Untergeschoss des Schlosses und in kleinen Brunnentempeln. Schon im 19. Jahrhundert sank der Grundwasserspiegel allerdings und dass Wasser der Quellen reichte für den Betrieb nicht mehr aus, weshalb ein Pumpensystem installiert werden musste. Eine Reihe der ursprünglichen Szenerien wurde im Lauf der Zeit auch aufgegeben.

Obwohl die Wasserspiele von Hellbrunn ein rechter Touristenrummel sind und schon Generationen von Besuchern am Fürstentisch nass geworden sind, sollte man sich das wunderbare Wasserspektakel der Spätrenaissance nicht entgehen lassen. Im Schloss findet man umfangreiche Exponate und Informationen zur Geschichte, eine übersichtliche Website (https://www.hellbrunn.at/wasserspiele) bietet zahlreiche Details zu den Wasserspielen. Wenn möglich besucht man Hellbrunn an einem sonnigen Wochentag außerhalb der Saison. Dann kann man auch eine Runde durch den hübschen Schlosspark gehen, sich in der Kneipp-Anlage die Füße kühlen und sich auf dem Hellbrunner Berg ein volkskundliches Museum und das imposante Steintheater ansehen.

 

Foto Mechanisches Theater

 

Die heißen Quellen von Bagni San Filippo