Kadiut-Brücke

 

 

Thermale Schwefelquellen in der Langaricaschlucht,

Banjat e Benjes / Llixhat e Benjes Koordinaten

 

Die Thermalquellen in der Langarica-Schlucht beim kleinen Ort Benjes sind zusammen mit den Karsthöhlen entlang des Flusses und den Kiefernwäldern heute Schutzgebiet. Es gehört nicht nur wegen seiner wunderbaren, natürlich gefassten Heilwasserbecken, sondern auch wegen der grandiosen Lage zu den landschaftlichen Höhepunkten Albaniens. Die bekannte Weltkulturerbe-Stadt Gjirokastra, die zum Pflichtprogramm einer Reise ins Landesinnere von Albanien gehört, ist kaum 60 Fahrkilometer entfernt.

Allerdings hat sich das ehemalige Paradies mittlerweile zu einem touristischen Hotspot entwickelt, auch für Albaner. Es werden kleine Unterkünfte gebaut, Saufgelage abgehalten, der Parkplatz, auf dem man 2015 noch fast alleine stand, ist mittlerweile straff organisiert und im Sommer heillos überfüllt. Gut für die regionale Wirtschaft, schlecht für die Natur. Beispielsweise lassen viele Besucher ihren Müll liegen – ein in Albanien allgegenwärtiges Problem, auch wenn mit dem rasant zunehmenden Tourismus der letzten Jahre eine leichte Besserung eingetreten ist. Es entwickelt sich langsam so etwas wie eine Infrastruktur zur Müllentsorgung. Zu hoffen bleibt, dass nicht irgendein „Spa“ in die wunderbare Landschaft an der Langarica gepflanzt wird!

Von Funden weiß man, dass die Höhlen der Langarica-Schlucht schon in prähistorischer Zeit besiedelt waren. Auch die Römer wussten den Reichtum Albaniens an Thermalquellen zu nutzen. Erst seit kurzem ist jedoch bekannt, dass das Land auf dem größten unterirdischen Thermalsee liegt, der bisher weltweit bekannt ist. Entdeckt wurde der Zugang über eine der zahlreichen Thermalquellen am Fluss Sarantaporos (40.095866, 20.677115), der im Süden ein Stück weit die Grenze zu Griechenland bildet.

Die teilweise stark schwefelhaltigen Wässer in der Langarica-Schlucht treten mit Temperaturen von 22 - 28°C und Schüttungen von 8 - 40 l/s an den Ufern der unteren Langarica aus dem Fels. Teilweise lässt sich auch an den Sedimentwänden das Aussickern von Wasser beobachten. Die Quellen haben unterschiedliche Mineralisierungen und werden schon mindestens seit der Antike bei rheumatischen Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Magenproblemen aufgesucht. Derzeit wird das Wasser in vier Naturbecken gefasst, die von Ortskundigen bei jeweils unterschiedlichen Krankheitsbildern genutzt werden. Der dunkle, schwefelhaltige Schlamm soll besonders gut gegen Hautkrankheiten wirken.

Das größte und bekannteste Becken (40.243750, 20.432483) liegt 50 Meter unterhalb der sehr gut erhaltenen historischen Brücke Ura e Kadiut, die ihren Ursprung vermutlich im 18. Jahrhundert hat. Sie überspannt den Fluss mit einem aus Steinen gefügten, über 15 Meter weiten Bogen und hat über die Jahrhunderte allen Hochwassern und Erdbeben getrotzt. An ihrem östlichen Fundament liegt ein Quellbecken, das als einziges mit einem Betonwehr angestaut ist und an dessen Boden sich eine starke Schicht aus dunklen Sedimenten abgelagert hat.

Nach dem Bad kann man bei niedrigem und normalem Wasserstand eine wunderbare, weglose Wanderung in die flussauf gelegene Langarica-Schlucht machen. An den Ufern findet man zunächst weitere Quellen und Steinbecken, bevor die 100 Meter hohen Wände mit ihren imposanten Karsthöhlen immer weiter zusammenrücken und die Schlucht auf wenige Meter verengen. Es ist zu beachten, dass der Wasserstand nach starken Regenfällen plötzlich stark ansteigen kann. Auch wenn der Pegel zu hoch ist, fällt die wunderbare Wanderung im und am Flussbett wörtlich „ins Wasser“.

Quellen und Schlucht sind auf der etwas löchrigen Rruga e Benjes auch mit Wohnmobilen zu erreichen. Sie zweigt beim Ort Petran vom Tal des Flusses Vjose nach Norden ab und erreicht nach etwa sechs Kilometern den Parkplatz. Nach Möglichkeit sollte man Thermalquellen und Schlucht außerhalb der Hauptsaison, nicht an Wochenenden und vorzugsweise morgens oder abends besuchen. So wunderbar ein Bad in den Steinbecken zu jeder Tages- und Nachtzeit ist, länger als 25 Minuten sollte man es nicht ausdehnen, denn das Wasser ist nicht nur wohltuend, sondern auch anstrengend für den Kreislauf.