
Quellen in Weimarer Parkanlagen
Quellen in den Weimarer Parkanlagen entlang der Ilm
Die Quellentour durch Weimar führt auf dem 123 Kilometer langen Ilmtalradweg entlang, der sowohl Naturliebhabern wie Kulturbegeisterten viel zu bieten hat. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat ihn als ersten Radfernweg in Thüringen mit seinem Gütesiegel „ADFC-Qualitätsradroute“ ausgezeichnet.
Das Städtchen Weimar mit seinen 66.000 Einwohnern ist bekannt als Stadt der Klassik mit Geistesgrößen wie Goethe, Schiller, Wieland, Herder, als Stadt der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule mit Lehrern wie Böcklin und Lenbach, als Stadt mit Universität und Musikhochschule, mit der Herzogin-Anna-Amalia Bibliothek. Es war 1999 Kulturhauptstadt Europas und ist Welterbestadt. Aber auch das KZ Buchenwald ist nur zehn Kilometer entfernt.
Kaum bekannt ist, dass in Weimar-Ehringsdorf 1925 das Skelett des Ehringsdorfer Urmenschen gefunden wurde, der vor geschätzt 200.000 bis 250.000 Jahren hier lebte. Sein Leben ist in dem sehenswerten Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens dokumentiert. Die Fundstellen liegen genau an der Grenze, bis zu der die Elsterkaltzeit vor ca. 400.000 bis 320.000 Jahren ihre Eispanzer trieb. Von der Weichsel-Kaltzeit, die ihre Gletscher von Skandinavien und den Alpen her über Deutschland breitete und vor 11.500 Jahren endete, blieb Weimar hingegen verschont. Trotzdem muss sich die Landschaft dramatisch verändert haben: die prähistorischen Überreste im Travertin-Steinbruch von Weimar-Ehringsdorf wurden in 18 Meter Tiefe gefunden! Die Tour führt also viele Meter oberhalb des Lebensraums der Urzeitmenschen an der Ilm entlang.
Die Bedingungen für die frühe Besiedlung waren günstig. An der Kipperquelle (50.960017 11.351467) und den anderen Karstquellen hier im Ilmtal, die hier aus dem Muschelkalk der Ilm-Saale-Ohrdruf-Platte steigen, fanden die Menschen sauberes Süßwasser. Sie konnten die hier tränkenden Tiere jagen, darunter Waldnashorn, Elefant, Hirsch und Bär. Die Tierkörper wurden zerteilt und auf trockene Travertinareale gebracht. Dort entzündeten die Ehringsdorfer Großwildjäger ihre Lagerfeuer, die als schwarze Brandschichten im gelben Travertin zusammen mit Knochen erhalten blieben.
Heute haben die Weimarer Quellen ein ganz anderes Aussehen und vermutlich eine etwas andere Lage als in geologischer und prähistorischer Zeit. Allen gemeinsam ist ein außerordentlich hartes Wasser vom Kalzium-Magnesium-Sulfat-Typ, das den Aufbau von mächtigen Travertinschichten hier an der Ilm beigetragen hat. Der hübsche Felsenbrunnen (50.976383 11.333383) etwa bezieht sein Wasser aus einem Stoffen, den Herzog Carl August im 18. Jahrhundert tief in dieses Gestein graben ließ. An der Lottenquelle (50.9778039, 11.3046785) im Westen Weimars, die auf dem Gelände eines Fischzuchtbetriebes unzugänglich ist, erreicht die Wasserhärte den enormen Wert von 95°dH. Gemeinsam ist der Kipperquelle in Ehringsdorf, den drei benachbarten Leutraquellen (50.979583, 11.334883) im Ilmenpark, der Herzquelle (50.967567, 11.349433) des Papierbachs in Oberweimar und den Lottenquellen zudem, dass sie als Karstquellen stark abhängig von vorangegangenen Niederschlägen schütten. Bei der Lottenquelle reicht die Schüttung beispielsweise von fünf bis 40 l/s.
Zurück in die Zeit des Klassischen Weimar. Die Quellen an der Ilm wurden damals mit zeitgemäßen Fassungen versehen und ihr Wasser in die Gestaltung der Stadt und ihrer Bauwerke einbezogen. Eine Quelle unter dem bekannten Römischen Haus (50.971194, 11.335278) speist vermutlich noch heute den Brunnen dort. Die Sphinxgrotte wurde 1784 auf Geheiß von Herzog Carl August errichtet, Goethe hatte sein Gartenhaus an der Ilm gegenüber der Felsenquelle und beeinflusste die Gestaltung des Landschaftsparks entlang stark. Die Quellen waren beliebte Ziele und Treffpunkte, für das gewöhnliche Volk ebenso wie Aristokraten, Künstler und das wohnhabende Bürgertum. Noch heute finden sich viele Spuren aus klassischer und nachklassischer Zeit in dem 48 Hektar großen Park, etwa die charakteristischen Sichtachsen, zahlreiche Skulpturen und Denkmäler. Er ist Teil des UNESCO-Welterbes „Klassisches Weimar“ und spiegelt bis heute die ästhetischen Vorstellungen der Weimarer Klassik wider. Lediglich die Quellen (51.000217, 11.356883) am Fuß einer Geländekante im nördlichen Teil des Schlossparks Tiefurt treten noch natürlich aus.
Indes macht der Klimawandel auch vor den Weimarer Quellen nicht Halt. Während Starkregen und damit ihre Maximalschüttungen zunehmen dürften, machen die in Summe zurückgehenden Niederschlagsmengen und anhaltende Trockenperioden den Grundwasserständen zu schaffen. Im Sommer 2025 waren sie so dramatisch gesunken, dass Weimar ein temporäres Verbot erlassen musste, Wasser aus offenen Gewässern zu entnehmen. Die Herzquelle mit ihrem wunderbar gefärbten Wasser, die 1999 noch 100 bis 350 l/s geschüttet hatte und 2015 renaturiert wurde, versiegte bereits im Jahr 2020 einige Monate lang.
Mit Hilfe der WASSERWIKI Quellenkarte (50.960017 11.351467) lässt sich die landschaftlich reizvolle Tour entlang der Ilm selbst gestalten. Die Quellen im Weimarer Stadtgebiet sind gut zugänglich und lassen sich mit dem Rad oder zu Fuß erreichen. Nur für die naturbelassenen Quellen im nördlichen Teil des Schlossparks Tiefurt muss man ein paar Meter weglos zurücklegen. Vor allem kulturell Interessierte Besucher(innen) sollten sich genügend Zeit für die Tour und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten am Rande nehmen.
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Foto Weimar Ilmpark Ochsenauge